Gräser als Bodendecker Teil 1

Christiane schreibt am 1. August

Moin Svenja!  Es soll nun weitergehen mit Gräsern als Bodendecker, die teilweise dazu taugen, Flächen zu beruhigen und damit Arbeit zu erleichtern. Zweifelsfrei ist der Rasen eine gestalterisch einfache Lösung, die sämtlichen anderen Bewuchs durch das Mähen unterdrückt oder zunichte macht. Aber es erfordert durchaus Wissen, wenn es denn ein guter Rasen werden soll. Aber vielleicht hat man Glück und die Mischung der Gräser passt zum eigenen Boden. Denn Rasen ist eine Ansammlung verschiedenster Grassorten zu einem Teppich. Was so sehr nach Monokultur aussieht ist in Wirklichkeit eine Vielfalt. Das sieht man erst, wenn man ihn mal blühen läßt.

Rasen gehört zu den arbeitsaufwändigen Gartengestaltungen

blühender Rasen

Mal wächst diese Art besser, mal jene. Und die meisten Arten brauchen volle Sonne und regelmäßig Dünger und Wasser und einen nicht zu lehmhaltigen Boden. Einmal die Woche mähen ist auch angesagt. Und wenn man nicht mähen kann, z. B. weil dort im Frühling viele Narzissen wachsen, deren Laub man erstmal nicht abschneiden darf, sieht er aus wie dieses erste Bild…  mit den weißen Weidenröschen im Vordergrund. Wildhaft und romantisch! Und es geht eine große Ruhe von so einem Stück Land aus.

Doch man darf sich nicht täuschen lassen. Spätestens Ende Juli muss das Gras ab. Thomas ist dann so einige Stunden mit der Sense unterwegs und Berge von Grasschnitt fallen an. Und dann dauert es auch wieder einige Mahten mit dem Rasenmäher, bis wieder ein ansehnlich grüner Rasen daraus geworden ist. Unser Rasen ist eher eine Obstwiese, mit Bäumen drauf und Rasenkanten aus allerlei Pflanzen wie Giersch oder Großstauden, die keine extra Pflege der Kanten brauchen. Mit der Mähkante reicht es. Und wir haben Glück… wir haben sehr selten Maulwurfshügel, die abgetragen werden müssen. Außerdem lieben wir das Moos im Rasen unter den nackten Füßen. Wir brauchen nicht zu vertikutieren.

Moos ist eine Art Selbstschutz des Bodens

Moos bildet sich bei Humusmangel und schützt den Boden vor Austrocknung. Und Moos bildet sich auch, wenn der Garten zu Wald, also zu schattig geworden ist. Im Wald gedeihen die wenigsten Gräser, obwohl es auch spezielle Mischungen, den sog. Schattenrasen, gibt. Wenn man nun seine häßlich gewordene Rasenfläche nicht unbedingt braucht, sei es , weil sie bespielt werden will, oder oder… dann lohnt es sich, über andere Lösungen nachzudenken. Diese Flächen könnten deutlich weniger Pflegeaufwand benötigen, von der Anfangszeit mal abgesehen, bis die Fläche zugewachsen ist.

Sonnen- und Schattenplätze

Aber wie ist es um die Beete bestellt? Ich möchte  mit solchen Gräsern beginnen, die als Bodendecker für Beete im Schatten- und Halbschattenbereich unter Gehölzen taugen. Das sind nämlich sehr oft Bereiche,  die einst mit sonnenliebenden Stauden bepflanzt  wurden. Die Pflanzen fangen an zu mickern, wenn die Standorte zunehmend schattiger werden. Schütter und geilwüchsig strecken sie sich dem Licht entgegen. Oft sind solche Plätze auch zu trocken geworden, der Boden arm. Die Pflanzen kränkeln, bekommen Mehltau oder Rost. Sie haben kaum Abwehrkräfte und fallen dem Frass zum Opfer. Rosen stehen plötzlich ohne Blätter da… Sternrusstau… gespenstisch geradezu. Das muss nicht sein. Im Laufe der Jahre werden Gärten einfach schattiger, weil alles wächst. Das ist so und erfordert eine Umgestaltung der Beete mit den unterschiedlichsten Bodendeckern.

Sonnenplätze sind solche, die mindestens 8 Stunden am Tag von der Sonne geküsst werden. Alles andere sind Halbschattenplätze oder sogar richtige Schattenplätze, die nach entsprechenden Pflanzen Ausschau halten. Ja, auch dafür gibt es auch noch reichlich Blühpflanzen. Vor allem für das Frühjahr, wo die Gehölze noch keine Blätter haben. Entsprechende Frühlingsblumen haben dann ihren großen Auftritt. Aber interessanter gestalte ich solche Gartenpartien mit unterschiedlichen Blattfarben,  -formen und Texturen. Eventuelle schöne Blüten sind dann die Krönung. Aber dazu später.

Immergrüne Gräser für den Schatten

Als erstes möchte ich die große Familie der Segen nennen und die wohl populärste Sorte vorstellen: Carex morrowii ‚Variegata‘. Es ist die absolut standorttolerante Japan-Segge. Sie verträgt auch noch Sonne, gedeiht noch im tiefen Schatten und ist ziemlich bodentolerant. Ich benutze sie am liebsten für halbschattige Standorte, wo sie mit ihrem lebhaft gezeichneten Blatt gut zur Geltung kommt. Es ist dunkelgrün mit hellem Rand. Nach 3-4 Jahren hat sich ein dichter Teppich gebildet, unter dem nur noch wenig zum Keimen kommt. Vielleicht Baumsämlinge, wie Ahorn.

Carex morrowii ‚Variegata‘
Carey morrowii 'Variegata'Steckbrief: immergrünes Gras, 40cm Wuchshöhe, inclusive Blüte. Kleine braune Ähren im Juni/Juli. Schnitt nicht nötig, kann aber nach dem Winter auf halbe Wuchshöhe vorgenommen werden. Für einen geschlossenen Pflanzenteppich braucht es 5 Pflanzen pro Quadratmeter. Eine Humusgabe fördert das zügige Wachstum, ebenso eine Mulchdecke aus Rindenmulch oder Holzhäcksel, dazu dann Hornspäne. Leidet unter Kahlfrösten. Braune Triebspitzen werden aber mit dem Neuaustrieb überwachsen.

Weitere interessante Arten aus der großen Familie der Seggen für den Schatten sind Carex foliosissima ‚Icedance‘. Die Sorte hat noch mehr hellere Anteile in den Blättern und ist ausläuferbildend. Sie ist gut für große Flächen. Carex sylvatica, die Wald-Segge hat ein feineres grünes Blatt, 50cm. Ebenso Carex umrosa, mit nur 20cm recht niedrig. Dagegen ist Carex plantaginea, die Breitblatt-Segge, deutlich breitblättriger und auch flach im Wuchs, 7 Pflanzen pro Quadratmeter. Letztere Arten wirken durch das grüne Blatt natürlicher.

Ein richtiger Waldbewohner

Ein weiteres Gras aus dieser Kategorie ist die Waldmarbel. Sie ist ein heimisches Waldgras und kommt am natürlichsten daher, wildhaft geradezu. Was auch daran liegt, dass es ausläuferbildend ist und dadurch unregelmäßiger wächst. Und braune Spitzen an den Blättern gehören zum Bild auch dazu, was wiederum daran liegt, dass man der Waldmarbel absolut trockene Plätze mit Sandboden anbieten kann, so wie hier, am Fuss der Birke. Sie verträgt es aber auch feuchter, liebt das saure Milieu, ist aber durchaus bodentolerant.

Luzula sylvatica
Steckbrief: immergrünes, heimisches Waldgras, 50cm Wuchshöhe inclusive Blüte. Dichte, büschelige, braune Blütenstände im Frühling. Bildet große Horste, die sich rasch über Rhizome verbreiten und auf diese Arte ganze Teppiche entstehen lassen. Liebt den Schatten und sauren Boden, ist insgesamt aber tolerant. 5-6 Pflanzen pro Quadratmeter. Wenn es schnell gehen soll, auch mehr. Humusreicher Boden fördert das Wachstum, ebenso das Mulchen.

Eine Schwester der Waldmarbel, aus dem alpinen Raum, ist die Schneemarbel, Luzula nivea. Mit ihren reinweißen Blüten ist sie ein entzückender Frühlingsblüher für den Halbschatten und ihr behaartes Blatt sieht fast vornehm aus.

Laubabwerfende Gräser für den Schatten und Halbschatten

Gräser dieser Kategorie können nicht so zuverlässig als Bodendecker eingesetzt werden, weil sie keimenden Samen im Frühling erst einmal Licht lassen und damit die Chance einräumen zu wachsen. Aber dann nehmen die Gräser doch so rasant Fahrt auf und überwachsen die meisten Keimlinge.  Das funktioniert aber nur bei geschlossenen Beständen, zum Beispiel beim Japan-Bergras. Und manche Pioniere wie Akelei, Frauenmantel und  Baumsämlinge schaffen es dennoch.

Die reine Art, also die mit dem grünen Blattwerk gedeiht sogar in voller Sonne, wenn der Boden humos und feucht genug ist. Das gelbgrüne Gras verbrennt leichter, wird braun. Wenn sich die Gräser einrollen, fehlt Wasser. Sie sind weniger robust als die oben genannten Gräser, dennoch erstaunlich genügsam. Und sie werfen im Frühling tatsächlich den trocken gewordenen Blattschopf ab, d.h. er geht ganz leicht wegzunehmen.

Hakonechloa macra ‚Aureola‘

Haconechloa macra
Steckbrief: Gras bis 45cm, mit Blüte. Die Blüte erscheint im Juli/August und ist eine hübsch verzweigte Ähre, aber kurzstielig und unspectakulär. Die oberen Bilder zeigen die gelbgrüne Sorte im Blütenstadium und im Spätherbst, nach erstem Frost. Für Halbschatten und Schatten. Die grüne Art auch vollsonnig. Benötigt humosen, feuchten aber durchlässigen Boden. Es wächst langsam. 10-12 Pflanzen pro Quadratmeter. Hübsches Gras, was flach wurzelt und besser im Frühling gepflanzt werden soll, wie die meisten Gräser.

 

Dies soll erstmal reichen, liebe Svenja, obwohl es ja eine Vielzahl von Gräsern gibt und sie auch zunehmend im Handel erhältlich sind. Was toll ist, denn „ein Garten ohne Gräser ist gräßlich.“ so Karl Foerster, der den optischen Wert der Gräser in Staudenbeeten schon zu seiner Zeit erkannte und propagierte: „Einzug der Gräser und Farne in die Gärten“, das Buch, erschien 1978 in Leipzig.

Bis demnächst, Tine

 

 

 

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