Stauden auf dem Friedhof

Svenja schreibt am 12. September

Liebe Tine,

ich war unterwegs, auf Exkursion und es war hochspannend:

Ein Besuch auf dem Friedhof in Kiel-Elmschenhagen mit dem Arbeitskreis Stauden hat uns Anfang September jede Menge Einblicke in die Verwendung von Stauden auf dem Friedhof gegeben.  Der engagierte Friedhofsgärtner Bernd Wiese hat uns dort bodendeckende Stauden und seine Erfahrungen damit gezeigt.  Ebenso wie seine Kiesbeetflächen und die Bepflanzung von Urnengemeinschaftsgräbern.

Es war ein total interessanter Ausflug, von dem sicher alle sehr viel mitgenommen haben.

Bodendeckende Stauden für die Grabbepflanzung

Der Elmschenhagener Friedhof hat im Eingangsbereich einige Schauflächen, auf denen unterschiedliche Bepflanzungen anzuschauen sind.
Einige Bodendeckende Stauden machen sich dort besonders gut:

Fingerkraut
Fingerkraut für sonnige, durchlässige Standorte

Potentilla crantzii – ein flaches gelbes Fingerkraut schließt die Fläche schnell, kann mager stehen, mag sonnig und ist wintergrün.  Ein super Bodendecker für Grabflächen.

Campanula portenschlagiana – eine Polsterglockenblume ist eine schön blau blühende Staude, die allerdings an sich nicht so dauerhaft ist, sie sieht in den ersten Jahren toll aus, ist aber kurzlebig und nicht so sehr gut für eine flächige Bepflanzung auf dem Friedhof geeignet.

Herniaria glabra – Bruchkraut, ein sehr flacher Bodendecker für volle Sonne und magere Standorte funktioniert gut, allerdings muss die Fläche von Wurzelunkräutern frei sein. Sonst hat das Bruchkraut das Nachsehen.

Sedum floriferum ‘Weihenstephaner Gold‘ – eine spät blühende Fetthenne mag ebenfalls sonnige Standorte auf eher mageren Böden.  Sie will in Ruhe gelassen werden und macht dann schöne dichte Flächen.  Und die Bienen lieben diese Fetthenne.

Pfennigkraut
Pfennigkraut mach einen super Bodendecker auch auf fetteren Böden und im Halbschatten

Lysimachia nummularia – Pfennigkraut, ist mir eher als Teichrandpflanze bekannt, wächst auf halbschattigen, nicht zu trockenen Standorten zu schönen Flächen heran.  Die gelben Blüten sind attraktiv, aber nicht aufdringlich.

Andenpolster
Andenpolster mag es sonnig und trocken

Azorella trifurcata – Andenpolster sieht aus wie ganz kleiner Polsterphlox.  Das ist ein ganz entzückender Bodendecker für sonnige und trockene Standorte.  Das Andenpolster ist wintergrün und hat gelbliche Blüten.

Wichtig bei all den flachen bodendeckenden Stauden ist, dass das Falllaub von den Polstern entfernt wird. Das geht entweder mit Laubrechen oder mit einem Puster.

Baumscheiben

Für die Baumscheiben haben die Elmschenhagener Freidhofsgärtner gute Erfahrungen mit verschiedenen Storchschäbeln (Geranium), flachem Schnecken-Knöterich (Bistorta affinis), Beinwell (Symphytum) und Elfenblumen (Epimedium – hier ist es wichtig, im zeitigen Frühjahr rechtzeitig zurückzuschneiden, damit die Blüten zur Geltung kommen) gemacht.  Nicht so gut funktioniert Gedenkemein (Omphalodes verna), das mag nicht so trocken stehen, wie es auf Baumscheiben nun mal häufig ist.

Gedenkemein
Gedenkemein mag es nicht zu trocken

Urnengemeinschaftsgräber

Urnengemeinschaftsgräber kennen wir hier auf dem Land so gar nicht.  Aber in den Städten ist diese Form der Bestattung sehr häufig, es werden auf relativ kleinen, schön gestalteten Flächen viele Urnen untergebracht. Die Namen der Verstorbenen werden auf schönen Grabmalen angebracht.  Für diese Art der Grabfläche braucht es Bodendecker, die wie eine Grasnarbe abgestochen werden können und dann als ganze Sode wieder aufgesetzt werden.
Dafür eignen sich die oben genannten.

Urnengemeinschaftsgrab
Urnengemeinschaftsgrabfläche mit Mazus reptans als Bodendecker

Versuche wurden auch gemacht mit panaschierte Arabis (Gänsekresse, die hab ich als nicht so dauerhaft erlebt), Gamander (Teucrium), der mag aber nicht so fetten Boden.  Auch Günsel (Ajuga) ist schwierig, er bekommt leicht Viruserkrankungen, die Kräusebildung und Absterben verursachen.

Urnengemeinschaftsgrab
Urnengemeinschaftsgrabfläche mit kleinem Frauenmantel (Alchemilla erythropoda)und Pfennigkraut

Helianthemum (Sonnenröschen) sind prima für sonnige Standorte geeignet, die liebe ich ohnehin, weil sie so lange blühen und so schön wachsen.  Dryas suendermannii (Silberwurz) hat sich gut auf sonnigen, eher mageren Standorten gemacht, während Chrysogonum (Goldkörbchen) zwar sehr schön gelb blüht, aber nicht so gut die Flächen schließt.

Chrysogonum
Goldkörbchen (Chrysogonum) ist als Flächendecker nicht so toll geeignet

Kiesbeet

Kiesbeet
Kiesbeet im September

Eine sonnige Fläche im Eingangsbereich des Elmschenhagener Friedhofes wurde vor etwa 10 Jahren als Kiesbeet angelegt.  Dazu hat man den Boden 30 cm ausgekoffert.  Dann wurden 12.5 cm Schotter (0/32 Körnung) aufgebracht, darauf 12,5 cm Kompost mit Sand/Kies gemischt und darauf 5 cm Split als Abdeckung.
So ein Beet wird 3 x im Jahr gepflegt (gejätet).  Und es macht sich wunderbar.  Wichtig ist es, die verschiedenen Staudenqualitäten, also Gerüstbildner, Füllstauden und Bodendecker im richtigen Verhältnis zu setzen.  Dieses Beet ist etwa 10 Jahre alt.  Es wird, auch im vergangenen Hitzesommer nicht gewässert, nur sauber gehalten.

Kiesbeet
Das 10 Jahre alte wunderschöne Kiesbeet

Ein halbschattiges Beet mit flächiger Pflanzung am Ende des Rundgangs hat uns mit alten Grabmalen und schönen Anemonen, sowie Aster pyrenaicus ‘Lutetia‘ beeindruckt.

Friedhof

Es war ein hochinteressanter Nachmittag.  Vielen Dank an die Organisatoren und Bernd Wiese, der uns mit seiner Begeisterung für Stauden total gefesselt hat!

Liebe Tine,

eine Kundin fragt nach Geranium für den Friedhof.  Ich schätze Geranium macrorrhizum (Balkanstochschnabel) als wintergrünen Bodendecker für fast jeden Standort, Sonne bis Schatten.  Er wird etwa 30 cm hoch und macht die Flächen gut und schnell dicht.
Mit Geranium cantabrigiense, dem Cambridge-Storchschnabel hab ich selber nie Flächen bepflanzt, aber ich denke, er wäre als flacherer (20-25 cm) Bodendecker, zumindest für sonnige und halbschattige Standorte prima geeignet.

Hast Du Erfahrungen (und Fotos?) mit Storchschnabel als Flächendecker?
Vielen Dank für Deine Unterstützung und ganz liebe Grüße

Svenja

 

 

Christiane antwortet am folgenden Sonntag

Es hat etwas gedauert, liebe Svenja, bis ich nun ein Bild gefunden habe. Ich wußte sofort, wo ich Flächen mit Geranium cantabrigiense gepflanzt hatte. Und dachte auch, dass ich Bilder davon gemacht hatte. Dem war nicht so. Schiete. Nun habe ich nochmal in meinen tausenden von Bildern gesucht und bin bei den Stockseehof – Schaugärten fündig geworden. Es sieht nach der Sorte ‚Biokovo’aus. Sicher bin ich mir aber nicht, denn es könnte auch die Sorte ‚Saint Ola‘ sein. Die soll größere Blüten haben. Ich habe sie noch nie bewußt gesehen. Kennst Du diese Sorte? Für den Friedhof ist die noch kleinwüchsigere Sorte ‚Harz‘ ganz prima.

Im Garten

Für Gärten benutze ich oft auch  lieber Geranium macrorrhizum – Sorten. Weil sie deutlich großwüchsiger sind und schneller den Boden abdecken und damit wirklich das Wachstum von Sämlinge aller Art verhindern.

Hier ist das Bild, was auch keine richtige Fläche zeigt.

….und nun hat sich der Sommer mit diesem warmen Wochenende wohl verabschiedet… hab heut gar keine Schwalben mehr am Himmel gesehen… snief…

…. Tine

Svenja am 11. Oktober

Tine,
ich hab noch einen Nachtrag zum Thema.  Ein Foto, das mir eine Kundin gegeben hat, Geranium ‚Rozanne‘ übernimmt die Weltherrschaft… .
Der ist nix für kleine Gräber mit niedrigen Steinen, obwohl er soo schön ist.  Aber nur, wo auch genug Platz ist…..
Herzliche Grüße
Svenja

Geranium 'Rozanne'

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