Goethes Gartenhaus in Weimar… ein Besuch

Christiane schreibt am 9. September

Nun waren wir da!… liebe Svenja, an der Ilm. Eine lang ersehnte Reise wurde wahr: Goethes Gartenhaus in Weimar zu besuchen. Wir sind mit einem Wohnmobil  gestartet. Zu einem guten Zeitpunkt, wie wir bald merken sollten. Denn als wir abends in Weimar ankamen, auf dem Theaterplatz, wo Schiller und Goethe überlebensgroß auf dem Sockel stehen, wurde dort gerade das hundertjährige Bestehen unserer Demokratie, mit dem Beginn der Weimarer Republik, gefeiert. Und gleichzeitig wurde damit das 3 wöchige Weimarer Kunstfest eröffnet.

Weimar ist eine Reise wert

Das ist natürlich ein extra Thema, wie auch unser Besuch dort im Bauhaus – Museum. Aber ich bin so begeistert von Weimar! Es ist eine mittelgroße – eine tolle, weltoffene Stadt. So jedenfalls mein Gefühl im Angesicht der bunten Vielfalt von Menschen, die wir dort gesehen haben. Und es gibt soviel Schönheit zu bewundern…

Aber kommen wir zur Sache, zum Gartenhaus von Goethe und zum Park an der Ilm, wo es mittendrin steht. Dem 48 Hektar großen Park an der Flanke von Weimar haben Goethe und Herzog Karl August in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sein Gesicht gegeben. Und das war so:

Das Weinberghaus

Im Mai 1776 ersteigerte der junge Goethe ein Haus mit Garten, das sog. Weinberghaus, ausserhalb der Stadt. Der Herzog finanzierte den Kauf und versuchte so den jungen Mann zum Bleiben zu bewegen. Er übertrug ihm politische Ämter, dazu brauchte es den Grundbesitz. Johann Wolfgang fühlte sich offensichtlich wohl in seiner neuen Umgebung und mit den Aufgaben, die er erhielt. Er renovierte das Haus und alles sollte „ohne Ziererei und Überfluss sein “ wie nachzulesen ist. Ja stimmt, alles hier ist schlicht und schön.  5 Jahre lebte er ausschließlich hier, bevor er nach Weimar – City übersiedelte.

Aber das Gartenhaus blieb zeitlebens ein Anker für ihn, wenngleich er verschiedenen Menschen gestattete, dort für eine Zeit zu leben. Zum Beispiel konnte 1802 auch Schiller dort arbeiten.

Es gab Anbauten für das Haus und es war ein Auf und Ab. 1806 heiratet Goethe Christiane Vulpius. Im selben Jahr plündern Napoleons Truppen ganz Weimar und finden natürlich auch das Gartenhaus.

Goethes Gartenhaus, Schafe

Und wir finden Goethes Gartenhaus auch, nach einem kräftigen Fussmarsch an diesem herrlichen Morgen durch den Park, wo gerade die Schafe umgetrieben werden. Wir sind früh dran.. die Garten – Pforte ist noch geschlossen.

… und hier wurde gerade noch gearbeitet…

Weiter links gibt es noch einen zweite Pforte… auch hier luschern wir durch die Sprossen. Auf diesen nun mit Rasen bewachsenen ebenen Flächen vor dem Haus hatte Goethe damals sein Gemüse angebaut, Spargelbeete und Erdbeeren wuchsen hier.

Goethes Garten 23-1Goethes Garten… welch wunderbare Mosaiken.

Ein Hanggarten erwartet uns

Dieses kleine Faltblatt mit der Übersicht erhalte ich erst nach meinem Gartenrundgang, als ich auch das Haus betrete, was heute ein Museum ist.

Goethes Gartenhaus-Plan

Um 10.00 Uhr sind wir jedenfalls die ersten, die eingelassen werden. Wir gehen die Treppe hoch zum Haus… boff: auch hier diese schöne Pflasterung aus Flusskieseln, die Goethe erst gegen Ende seines Lebens gestalten ließ, wie ich später im Faltblatt lese.  Am Spalier des Hauses wächst Wein und das duftende Geissblatt. Und zu Goethes Zeit auch die sog. Tapetenrose, wahrscheinlich aus der Francofurtana – Klasse, wie ich auch erst später in Erfahrung bringe. Ob es ein Abkömmling von Rosa gallica ‚Splendens‘ ist, wird mir nicht klar.

Neugierig erkunde ich die alten Wege.

Es geht bergauf… mäandernde Wege… von einem Sitzplatz zum nächsten…

Goethes Garten 10-1

und ich lande bei einer Gedenktafel, die Goethe 1782 der Charlotte von Stein gewidmet hat. Bekanntermaßen verband die beiden eine tiefgreifende Liebe “ Hier gedachte still ein Liebender seiner Geliebten…“ so fängt der Vers an und ist sehr schwer zu entziffern. Charlotte konnte von ihrem neuen Wohnhaus, wo die um 7 Jahre ältere Frau mit ihrem Mann lebte,  einen Blick auf die folgende Skulptur erhaschen. Denn sie bauten nur 400m von Goethes Gartenhaus entfernt, auch im Park an der Ilm.

Goethe ist seiner Zeit immer voraus

Und mein Weg durch den Obstgarten gibt an seinem Ende den Blick frei auf diese Skulptur, auf den „Stein des guten Glücks“, der tief unten gerade vom Morgenlicht wachgeküßt wird. Schon 1877 ließ Gothe dieses nicht figürliche Denkmal errichten, was als eines der ersten dieser Art in Deutschland gilt. Der Würfel steht für das Beständige, die Kugel für das Unbeständige.  Er widmete es Agathe Tyche, der Göttin des Schicksals, der glücklichen Fügung und des Zufalls. Nichts anderes war für ihn das Zusammentreffen mit Charlotte von Stein.

Unten angekommen treffe ich meinen Mann Thomas, der andere Kreise zieht als ich. Aber hier sind wir uns wieder mal einig: Dieses schlichte Sandsteinmonument ist großartig! Wir gehen die Malvenallee mit ihrem aufregend türkisfarbenen Geländer zurück zum Haus. Goethe nannte diesen Weg so, weil er zu seiner Zeit von Stockrosen flankiert war. Aber hier wuchsen auch Iris, Federnelken, Rosen und Reseden. Er hat die Düfte der Blumen geliebt. Im Frühling bestimmten Kaiserkronen das Bild, umspielt von Duft – Veilchen und Aurikeln.

Wir nehmen für eine kleine Weile Platz an dem kleinen runden Gartentisch. Wie geht es nun weiter? Ich möchte gern ins Innere des Hauses, Thomas nicht.

Als ich mich erhebe, um in das Haus zu gehen, spricht uns eine näher kommende Dame an:“ …also da hatte ich doch tatsächlich von weitem gedacht, Sie gehören zum Inventar…“ Zugegeben, mit unseren Strohhüten und der Kleidung  passen wir ins Bild. Witzig!

Das Haus leuchtet von Innen heraus –  in allen Farben

Die Räumlichkeiten dieses Gartenhauses repräsentieren den Geist Johann Wolfgang von Goethes, und ich sehe Büsten und Bilder.  Kunstwerke, auch aus seiner Hand. Dafür soll dieses lichtvolle Foto von der Bibliothek, dem Mittelzimmer des oberen Stockwerkes, stehen. Hier liegt auf dem Schreibsekretär unter anderen Handschriften des Dichters  “ Der Erlkönig“, in den ersten Jahren an diesem Ort geschrieben.

Jedes Zimmer in diesem Haus  ist in einer anderen satten Farbe gestrichen.

Goethes Garten

Wir verlassen das Grundstück und gehen über eine Ilm – Brücke. Und der Blick wird frei für ein gänzlich anderes Gebäude – was schon von weitem erkennbar ist.

Goethes Gartenhaus, Brücke

Imposant und prachtvoll

Wenig später sind wir dort angekommen, am sog. Römischen Haus, dem Lieblingswohnsitz von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach. Ein Prunkbau, auch innen… der totale Gegensatz zu Goethes Gartenhaus, in dem übrigens Carl Augusts Geliebte  Caroline von Heyendorf mit ihren Kindern leben durfte. Das war von 1810 bis 1820, danach wurde renoviert.

Vielleicht hatten die beiden Häuser zu jener Zeit noch Blickkontakt.

Park an der Ilm

Heute sind die Bäume riesig und ich kann Goethes Gartenhaus erst von ein paar Ecken weiter zuwinken…

…wie Du siehst, liebe Svenja, bin ich noch ganz voll von dieser schönen Deutschland – Reise.

Herzlich, Tine

2 Antworten auf „Goethes Gartenhaus in Weimar… ein Besuch“

    1. Sorry, liebe Lore… die Antwort kommt spät, aber von Herzen.
      Also ich kann wirklich nur jeden bestärken, dorthin zu fahren. Und mir erzählt besonders so ein Garten, der in seinem Aufbau wohl so geblieben ist wie er war, sehr viel über seinen Gestalter.Schön, den jungen/alten Goethe auch mal aus dem Blickwinkel zu erleben.Ein ungeheuer vielschichtiger, aber auch klarer Geist… aber was sag ich….
      Eine wundervolle Zeit in Weimar wünsch ich euch, herzlich, Tine

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