Verwunschene Wilde Orchideen – Lichtung

Christiane schreibt am 28. Juni

Liebe Svenja

Wir hatten am Tag des Offenen Gartens das besondere Vergnügen die wilden Orchideen bei Gisela und Bernd zu bewundern. Du kennst die beiden Gartenfreeks ganz sicher. Aber warst Du schon mal bei Ihnen? Ich kenne sie seit wohl 35 Jahren. Damals hatten wir noch unser Blumengeschäft und hatten eine Dahlienblüten – Ausstellung geplant. Und Bernd und Gisela waren uns als mögliche Lieferanten für ausgefallenste Sorten empfohlen worden. So haben wir sie kennengelernt. Und dann ist Gisela eine Rosenliebhaberin und  – expertin. Ich hatte damals auch gerade meine Rosenzeit und schrieb wenig später mein Buch „Inspirationen für den Rosengarten“. Bei Gisela und Bernd wird das Märchen von Dornröschen wach…  Es ist ein Rosengarten… aber auf so ganz andere Art, als man sonst Rosengärten kennt.

Und ich sag Dir was: das Bewundern wird auf solchen Pfaden erst so richtig mit Inhalt gefüllt. Da  kannst du nur immer einige Schritte gehen und dich dann erstmal wieder umschauen, nach oben schauen, nach rechts und links… neue Sichtachsen, neue Perspektiven begeistern einen unentwegt . Also da waren wir echt in einer anderen Welt! Völlig dem Normalen entrückt. Mit einer Luft voller Waldgeflüster und Vogelgesang und sonst gar nicht viel… oder doch? Elfengeraune!

Dies ist ein Waldgarten

Es ist Jahrzehnte her, dass ich hier war. Und inzwischen ist eben alles so unglaublich gewachsen. Natürlich erinnere ich den sehr großen naturnahen  Garten, am Waldrand gelegen. Aber jetzt ist er ein Stück von diesem Waldkörper geworden. Die Grenzen sind nicht mehr sichtbar. Wir sind total eingetaucht.

Dactylorhiza maculata

Und dies hat mit herkömmlicher Gartengestaltung überhaupt nichts mehr zu tun. Hier darf alles einfach nur sein, wie es ist und wachsen, wie es will. Und so gehen wir den schmalen Pfad zur Orchideen – Wiese unter Bäumen, Büschen und Rambler – Rosen hindurch, die sich überall auftürmen und von allerhöchsten Bauwipfeln herunterwinken,  von bis zu 15-20 m Höhe, schätze ich mal. Nun kommt rechts eine Lichtung, bewachsen mit Gräsern und Wildblumen. Sie beherbergt allerlei skurrile Objekte… mittendrin ein Sitzplatz.

Wieder Rosen –  und dann: “ Ach, nee… doch nicht… es ist nur ein Wiesensalbei. Immerhin: ein Wiesensalbei! Wo findest du den noch?“

Und dann biegen wir ab, aha … auf die Obstwiese… und nun geht es aber los! Bernd hat einen Rundweg hineingemäht und markiert, den wir gehen können. Einmal um die ganze Lichtung herum.

Kuckucksblumen, wohin das Auge schaut

Dactylorhiza maculata

Wir bestaunen Dactylorhiza… das Gefleckte Knabenkraut oder auch Kuckucksblume genannt… in Variationen. Es gibt sie hier in Hellflieder bis zu einem Dunkelfliederton. Langstielig und kürzer, mit stark geflecktem Blattwerk oder weniger markant. Es gibt da diverse Arten.

…und bei genauerem Hinsehen erkennst du Misteln auf den Apfelbäumen… alles voll… und 3 Eiben stehen in einem Steinkreis von 9 Stelen: “ Bernd, Du alter Druide!“… er grinst nur. Ich weiß von seinen Fähigkeiten als Wünschelrutengänger. Hier ist er in seiner Welt. Vor 5-6 Jahren hat er von einer Bekannten ein Tütchen Samen von den Orchideen  bekommen: „Gisela war weniger optimistisch. Aber ich war begeistert. Hier oben, wo wir jetzt stehen, habe ich den Samen mit dem Wind ausgestreut. In den Folgejahren habe ich dann die reifen Samenstände kopfüber an die Apfelbäume gehängt…“

Dactylorhiza maculata

 

Besonders Bernd (im gestreiftem Hemd)  setzt sich hier in seiner Gemeinde kontinuierlich für Naturschutz ein. Verhindert unnötige Baumfällungen  und noch so allerlei, was unkundige Geister so in die Welt setzen können. Und wirkt auch sonst kreativ mit, was er uns bei einem kleinen sehr schmackhaftem Imbiss, inzwischen von Gisela zubereitet, lebhaft zu erzählen weiß.  

Zum Abschied führt uns Gisela zu einer eigenen Wort – Schöpfung, die in der Nähe der offiziellen Haustür angebracht ist. Dieses Schild ließ Sie malen und es erzählt von der Gesinnung dieser engagierten Menschen.

Gesinnungs-Spruch

Dankeschön!

Svenja dazu am 4. Juli

Moin Tine,

oh, vielen Dank für die Bilder! Das ist ja wirklich beeindruckend, die Knabenkräuter, das Verwunschene!  Ich weiß, dass die Zwei echte Rosenfreaks sind, treffe sie bei vielen Veranstaltungen und hab sie auch oft hier in der Gärtnerei gesehen.  Aber von den Orchideen dort wusste ich nichts.

Dactylorhizen brauchen im Boden Mykorrhiza-Pilze, ohne die sie nicht wachsen können, da haben die Beiden gute Voraussetzungen gehabt, die schönen Schätzchen ansiedeln zu können.  Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wenn sich die Knabenkräuter erstmal etabliert haben, sie sich ziemlich gut vermehren.  Wie schön!

Tine, ich freue mich auf unser Treffen bei Katja heute Abend!

Liebe Grüße
Svenja

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